Repowering auf dem Eichberg
Lautlos drehten sich die Flügel des Windrads am fast windstillen Sonntagmorgen am Eichberg bei Schenklengsfeld, nur gelegentlich war ein leises Summen der Motoren zu vernehmen, wenn die Anlage sich auf der Suche nach den günstigsten Windverhältnissen drehte. Am Fuße des Windrads hatten sich ca. 30 Mitglieder des Kreisverbands der Grünen in Hersfeld-Rotenburg versammelt, um sich vor Ort über die Technik, die Bedingungen beim Aufbau, die Möglichkeiten, aber auch Gefahren beim Einsatz von Windkraftanlagen zu informieren. Da in Bad Hersfeld in naher Zukunft Entscheidungen über die Zukunft eines Windparks auf dem Wehneberg anstehen, nutzten die Mitglieder der Stadtverordneten- und Kreistagsfraktion sowie interessierte Grüne die Möglichkeit, sich vor Ort ein genaues Bild von den Einsatzmöglichkeiten der Windkraft zu machen.
Bereits seit 1998 stehen die vier älteren Windräder auf dem Gelände am Eichberg und produzieren jeweils 3,5 Mio kwh Strom pro Jahr. Im Jahr 2005 wurde der Windpark um drei weitere Anlagen erweitert, die mit einer Nabenhöhe von 85 m die alten um 20 Meter überragen und die dreifache Menge an Strom erzeugen können. Zusammen produzieren die überwiegend von Bürgern aus der Region betriebenen Windräder ungefähr 13 Mio kwh Strom pro Jahr, das ist fast genau die Menge Strom, die die Großgemeinde Schenklengsfeld verbraucht.
Wolfgang Ruch, Geschäftsführer der Windkraft Eichberg Verwaltungs GmbH, nahm sich viel Zeit, die zahlreichen Fragen zu beantworten, die sich auf die Technik der Anlagen, die Wirtschaftlichkeit, aber auch auf naturschutzfachliche Probleme bezogen. Besonders hob er das gute Verhältnis zum NABU hervor, was auch Karl-Heinz Storch von der NABU-Ortsgruppe Schenklengsfeld bestätigen konnte. Die von einigen Anwesenden geäußerten Bedenken hinsichtlich der Gefahren für die Vogelwelt konnten Ruch und Storch weitgehend ausräumen. Storch berichtete, dass der Rotmilan auch nach der Inbetriebnahme der Windräder weiter seine Kreise zieht. Für gefährdete Fledermausarten seien in Absprache mit dem NABU Ausgleichsmaßnahmen in größerem Abstand zu den Windkraftanlagen durchgeführt worden. Im Rahmen des geplanten Repowering müssen aber noch die Auswirkungen auf einzelne Fledermausarten noch näher untersucht werden, um eine Gefährdung auszuschließen.
Besonderen Wert legte Wolfgang Ruch auf die Feststellung, dass der Betrieb eines solchen Windparks nur unter Beteiligung der Bürger, insbesondere auch der Landwirte möglich sei. In Schenklengsfeld funktioniert diese Bürgerbeteiligung tadellos, insgesamt sind über 60 Investoren aus der näheren Umgebung an dem Projekt beteiligt.
Die nächsten Veränderungen am Eichberg sind bereits geplant. Repowering heißt das Stichwort, unter dem die vier alten durch fünf moderne Windkraftanlagen vom Typ Enercon E101ersetzt werden sollen. Damit würde der Energieertrag von derzeit 13 Mio kwh auf zukünftig 42 Mio kwh gesteigert. Damit wird Schenklengsfeld rechnerisch zum Stromexporteur! Auch dieses Projekt kann nur unter Einbeziehung der Bürger zustande kommen, betonte Ruch.
Die Grünen zeigten sich beeindruckt von der kompetenten und umfassenden Information durch Wolfgang Ruch. Für die Entscheidungsfindung über die Nutzung des Wehnebergs als Standort für Windkraftanlagen war dieser Vormittag eine große Bereicherung.


