4. Mai 2016

Entsorgungspolitik von K + S

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt die Errichtung der Kainit-Kristallisations-Flotations-Anlage bei K+S als einen richtigen Schritt zu nachhaltigerer Produktion. Die Verwertung von Reststoffen aus den bisherigen Abfallmengen erhöht den Wertstoffertrag und reduziert die Abwassermenge.

Im Gegensatz dazu entlastet die Aufhaldung der Trockenabfallstoffe aus der Produktion zwar aktuell die Entsorgungswege, stellt aber eine Verlagerung der Probleme auf spätere Generationen dar. Durch verschiedene Produktionsverbesserungen konnte zwar die Abwassermenge deutlich reduziert werden. Andererseits wächst der Abraum dadurch schneller denn je. Auf den Halden entsteht durch Auswaschung Abwasser, das mittlerweile bereits rund ein Drittel der zu entsorgenden Lauge darstellt. Eiin Teil davon wird von Fulda-Neuhof über eine Pipeline an die Werra gebracht, da die dortige Versenkung im April 2008 wegen kurzfristig aufgetauchter Trinkwasserprobleme dauerhaft eingestellt werden musste. Zwecks weiterer Reduzierung wäre es begrüßenswert, wenn die geplante Abdeckung der Halden schnellstmöglich erprobt und umgesetzt wird.

Durch die jetzt geplante Haldenerweiterung bei Widdershausen, die laut K+S bis ca. 2030 ausreichen soll, wird auch die Menge der Haldenabwässer weiter steigen. So lange die Halden nicht abgedeckt sind, stellt das Ganze einen Verschiebebahnhof dar, mit dem Zeit gewonnen werden soll: Von der Produktion auf die Halde, von der Halde in die Werra oder den Untergrund. Doch auch von dort kommt es ja wieder zurück, landet als Versenkrücklauf (von K+S auch beschönigend „diffuser Eintrag“ genannt) in der Werra und verringert dadurch die Einleitemengen aus der Produktion.

Wir fordern mehr Transparenz in diesen Abläufen. Die Öffentlichkeit muss darüber informiert werden, welche Mengen an Altlasten bereits jetzt die Entsorgungswege verstopfen und dadurch die Produktion behindern. Welche chemischen Hilfsstoffe (Organische Kohlenwasserstoffe) werden bei den jetzt angewandten Produktionsverfahren als sogenannte „Drücker“ und Schäumer“ eingesetzt? In welchen Mengen sind diese als Rückstand in dem abzulagernden Salz sowie der zu entsorgenden Salzlösung enthalten? In welchem Umfang stellen diese Stoffe eine Umwelt- bzw. Wasser- und Grundwassergefährdung dar? Die Messwerte für Chlorid, Kalium, Magnesium und dt. Härtegrad am Pegelstand Gerstungen sind aktuell und regelmäßig zuveröffentlichen, damit die Öffentlichkeit Entsorgungsengpässe nachvollziehen kann.

Bereits seit 2011 ist das Unternehmen in der Pflicht, mit einem Drei-D-Modell zu beweisen, dass die Versenkung den Grundwasserkörper nicht schädigt. Dieser Nachweis steht weiterhin aus, da das vorgelegte Drei-D-Modell dies nicht belegen kann. Die Validierung dieses Modells wäre dringlicher, anstatt immer wieder medienwirksam mit der Keule des Stellenabbaus zu drohen, wenn Unternehmensforderungen nicht erfüllt werden.