22. Mai 2025

Seid Mensch!  – Bebra gedenkt Margot Friedländers

Andrea Stockmayer (Magistrat) und Wolf-Dietrich von Verschuer (beide B 90/DIE GRÜNEN) unter dem Schild der Friedländer Straße. Margot Friedländer (Holocaust-Zeugin) *1921 Berlin - Theresienstadt - New York - ✝ 2025 Berlin "Sei ein Mensch."

Auch Bebra gedenkt der großen Margot Friedländer. In einer spontanen Aktion bringen Bebraer PolitikerInnen – für einen Augenblick des Gedenkens – ein ergänzendes Schild am alten Straßenschild der Friedländer Straße/Ecke Goethestraße an. Auch die HNA war dabei, mit einer Fotografin. Andrea Stockmayer (Magistrat) und Wolf-Dietrich von Verschuer (beide B 90/DIE GRÜNEN), sowie Bernd Holzhauer (Freie Wähler) initiierten die Gedenkaktion.

Die Friedländer Straße gibt es in Bebra schon seit vielen Jahrzehnten, denn die Schilder aus ultramarinblauer Emaille mit weißer Schrift (an sich schon fast ein Kunstwerk) sind die ältesten im Städtchen.

In der Nachbarschaft der Friedländer Straße gibt es weitere Straßen mit Bezug zur Nachkriegsgeschichte, vor allem Orten im Osten Deutschlands – auch des in den Grenzen von 1937. Aber auch Straßen, benannt nach bekannten Dichtern und Persönlichkeiten der Befreiungskriege von 1812 ff. wie Moltke, Blücher, Arndt, Uhland… und dann Thomas Mann, Fontane, Löns – eine irgendwie seltsame Mischung. Und jenseits der Bahngleise – jenseits von Goethe, Lessing oder Kleist, finden interssierte StadtspaziergängerInnen die Namen des 20. Juli: Delp, Goerdeler, Trott, Harnack, Leuschner und Stauffenberg. Mir vertraute Namen, denn in der Harnackstraße wuchs ich auf. Bei den Widerstandskämpfern, wie die Eltern gern sagten.
Wäre spannend, im Stadtarchiv zu forschen, warum die Friedländer Straße, die durch die Goethestraße geteilt wird, ihren Namen trägt.

Am Ende läuft es vermutlich auf Friedland bei Göttingen hinaus, zugleich das bekannte Durchgangslager für Kriegsheimkehrer, später für die Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten und viel später der sog. Spätaussiedler. Interessant hier: es gibt Orte mit dem Namen Friedland u. a auch in Polen und in der Tschechoslowakei. Friedlands Identität bestimmte bis zur deutschen Wiedervereinigung die Teilung Deutschlands. Das Teilungsmahnmal steht im Wappen der Großgemeinde. Der Name Friedland selbst geht zurück, so weiß Wikipedia, auf eine nahegelegene Burg gleichen Namens aus dem 13. Jahrhundert, die über das „Fredeland“ wachte: „befriede das Land“ – Was für ein Auftrag, welch eine Symbolik…. über 35 Jahre nach dem Zusammenschluss der zwei deutschen Staaten bleibt hier weiterhin viel zu tun.

Und Margot Friedländer, der wir Bebraer mit unserer Aktion gedachten, hat uns einen Auftrag mitgegeben, wie wir das machen können, Frieden zu schaffen: „Seid Mensch“. So einfach und für viele so schwierig. Danke, Margot! R.I.P.

Jan Knierim für den OV Bebra