26. Oktober 2026

[Bad Hersfeld] Wie stark darf eine Lollsrede polarisieren?

Zu Beginn des Lullusfestes steht am Sonntagabend nach dem traditionellen Fackelzug und in Erwartung einer spektakulären Lasershow die Lollsrede.

Auf Wunsch der Stadt übernahm diese Aufgabe in diesem Jahr unsere Stadtschreiberin Karen Köhler.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Persönlichkeiten von außerhalb und aus der Stadt diese Aufgabe übernommen und dabei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt sowie durchaus kritische Inhalte angesprochen. Selbstverständlich konnten diese Reden nicht immer alle Zuhörenden gleichermaßen überzeugen. Eine derart von Buhrufen, Schmährufen und Pfeifkonzerten begleitete und solche persönlich herabwürdigenden Reaktionen des Publikums wie in diesem Jahr, haben wir jedoch bislang nicht erlebt.

Diese Reaktion ist schlicht undemokratisch und hat uns zutiefst schockiert und beschämt.

Zugegebenermaßen wurde die Rede dem Anlass in ihrer inhaltlichen Ausrichtung, durch die Aufzählung aller bestehenden Weltkrisen sowie Form und Länge nicht gerecht.  Das Bekenntnis zur Zuversicht anstelle eines „Tanzes auf dem Vulkan“ konnte leider nicht mehr formuliert werden. Die entsprechenden Gedanken lassen sich jedoch nachlesen. Die Stimmung im Publikum war zwischenzeitlich so stark gekippt, dass eine Fortsetzung der Rede nicht mehr möglich war.

Auch wenn die Redezeit von 15 Minuten deutlich überschritten wurde, ist eine solche Reaktion des Publikums durch nichts zu rechtfertigen. Kritik und Unmut dürfen geäußert werden, sollten jedoch stets in einem angemessenen und respektvollen Rahmen bleiben.

Es wäre zudem wünschenswert gewesen, wenn die städtischen Repräsentanten, insbesondere der Stadtverordnetenvorsteher und die Bürgermeisterin, mäßigend auf das Publikum eingewirkt und unserem Gast, Frau Karen Köhler, in dieser Situation unterstützend zur Seite gestanden hätten.

Wir hoffen, dass der „Lollsfrieden“ nicht nur während des Festes, sondern über das ganze Jahr hinweg und darüber hinaus Bestand hat und wir uns wieder stärker auf die Werte besinnen, die unser Zusammenleben prägen sollten: Respekt, gegenseitige Wertschätzung und einen offenen Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.

Wir bitten Frau Karen Köhler um Entschuldigung für die Art und Weise, wie ihr an diesem Abend begegnet wurde. Unser Dank gilt Herrn Struthoff für seinen Kommentar in der HZ ebenso wie Frau Köhler für ihre entschuldigende Erklärung.

Um die junge Initiative des Literaturvereins und insbesondere die Ausschreibung der Position einer Stadtschreiberin oder eines Stadtschreibers zu unterstützen und wertzuschätzen, rufen wir Hersfelder Bürgerinnen und Bürger dazu auf, jetzt Mitglied zu werden. Eine solche Unterstützung würde unserer Stadt gut zu Gesicht stehen.

Antje Fey-Spengler für den OV Bad Hersfeld