10. März 2026

[Bebra] Der Grundwasserhaushalt steht im Minus – Rede zur Haushaltsdebatte

Rede zur Haushaltsdebatte in der Stadtverordnetenversammlung am 19.02.2026 von Tatjana Wandel

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, sehr geehrte Mitstreiterinnen und Mitstreiter und liebe Gäste.

Wie wir aus dem hier vorgestellten Stadthaushalt erkennen können, benötigt die Stadt mehr finanzielle Mittel für die Daseinsfürsorge, als sie über Steuereinnahmen, Zuweisungen usw. erwirtschaften kann. 

Für notwendige Sanierungen der städtischen Infrastruktur und andere Investitionen werden Reserven verbraucht und der Haushalt ist im Minus. Wie sich die Handlungsfähigkeit aller Kommunen in den nächsten Jahren gestaltet, wenn sich vonseiten des Landes nichts ändert, fragen sich alle, die sich mit diesem Thema auseinander setzen. 

Ein ganz ähnliches Dilemma zwischen „ haben und nicht haben“ erleben wir auf einer anderen Ebene in unserem Alltag, der Grundwasserhaushalt steht im Minus!

Unsere Grundwasservorkommen leiden durch den konstant hohen Verbrauch, zu geringe Niederschläge im Monatsdurchschnitt, unzureichende Versickerung und wiederkehrende Dürreereignisse in großen Teilen Deutschlands. Der Grundwasserspiegel erholt sich nicht mehr ausreichend. Dem gegenüber stehen Starkregenereignisse, deren mitunter katastrophale Ausmaße großes Leid und Entsetzen über die betroffenen Menschen bringen.

Sowohl Starkregen- als auch Dürreereignisse kosten unsere Gesellschaft, den Staat aber auch Privatleute,  Unmengen an Geld, viele Milliarden Euro, für Missernten und Schäden. Und die Welt/die Menschheit steht erst am Anfang der Veränderungen durch den Klimawandel. Der Mensch muss und er kann handeln!

Viel muss die Kommune vor Ort vorangehen, damit auch die Bürgerschaft bei der Gemeinschaftsaufgabe mitgehen kann. Was können wir tun, was kann eine Kommune tun, um der Misswirtschaft, dem Wassermangel entgegen zu treten? Sie kann einiges tun (und das möchte ich jetzt eher Stichpunktartig erläutern)!

Sie kann:

  • Anreize, Anleitung geben, den Bürgern Hilfe anbieten – ähnlich der Förderung der Apfelbäume und Solaranlagen – z.B. über das Klimamanagement Bagger koordinieren,  sodass Bürger Rigolen in ihrem Garten anlegen können, gegen Entgelt.
  • Anpassung der Bauvorschriften, Mut haben für ein Versickerungsgebot, verbindliche Vorgaben bei Neubauten Zisternen, Rückhaltebecken, Rigolen, nicht nur als Option bei passendem Geldbeutel und Einsicht (Beispiel Neubaugebiet Lispenhausen)
  • Mulden und Gräben in Wald und Flur, die Landwirtschaft profitiert von langsam ablaufendem Wasser. Gerade nach Trockenheit läuft Wasser oberirdisch einfach nur ab und macht im Tal Ärger.
  • Schwammstadt, jedes Bauvorhaben muss darauf geplant werden. Rigolen, auch im alten Bestand, Rückhaltebecken privat wie öffentlicher Raum
  • Entsiegelung, z.B. Schulhöfe, Parkplätze
  • Wie dicht ist eigentlich unser Leitungsnetz?
  • Bürgerinformation: Bewusster Konsum, Sensibilisierung, dass Wasser kostbar ist, Flyer “Wasserblindheit“  (als Wasserblindheit bezeichnen Wissenschaftler die Unwissenheit oder Ignoranz, dass wir national wie global eine Wasserkrise haben.)
  • Wassermanagement, extreme Trockenheit und Niederschlägen begegnen durch Errichtung von Infrastruktur, die mit den Nachbargemeinden zusammen gedacht werden muss.
  • Renaturierung- Sanierung aller Bäche (Beispiel „100 wilde Bäche“ folgen, die Solz ist erst der Anfang!) muss vorangetrieben werden, um Wasserkreisläufe zu stabilisieren: Den Biber als Helfer nicht als Schädling betrachten.

Über 50% aller fließenden und stehenden Gewässer in Deutschland sind in einem schlechten bis sehr schlechten ökologischen Zustand. Sie verfehlen die WRRL, weil sie mit Chemikalien aus Industrie und Landwirtschaft, Mikroplastik und Müll belastet sind oder durch Begradigung, vertieft und verbaut die Grundwasserbildung nicht gut und sauber erfüllen können. Unser Wasser von morgen, das Wasser für uns folgende Generationen. Das gilt auch für unsere Fulda. Von einer weiteren Bebauung der Fuldaaue sollte dringend Abstand genommen werden. Hat eine Aue doch das größte Vermögen Wasser aufzunehmen.

Warum ist das Thema Wasserhaushalt so wichtig?

Wasser ist von existenzieller Bedeutung als Lebensspender und als zerstörerische Kraft. Der Klimawandel wird die Probleme verschärfen, hängt beides doch untrennbar miteinander in Wechselwirkung  zusammen. Wir müssen die Zeit nutzen gewahr zu werden, was wir beeinflussen können. Und wir müssen die Zeit nutzen Maßnahmen zu ergreifen.

Das Konfliktpotential durch zu viel oder zu wenig Wasser und durch Nutzungskonkurrenz muss auch ernst genommen und begriffen werden. Einen kleinen Eindruck haben wir letztes Jahr vom Interessenkonflikt zwischen Edersee und Weser bekommen, wenn zu wenig Wasser da ist. Andersrum, wenn auf der Fläche nicht Wasser zurück gehalten wird, sondern schnellstmöglich abfließt, kann es nicht den Boden sättigen und zu Grundwasser absickern und richtet zudem noch Schaden an bei denen, die weiter unten im Einzugsgebiet liegen. Auch hier sollte das Prinzip der Solidargemeinschaft greifen.

Wir müssen jetzt anfangen in Maßnahmen zum Wasserrückhalt zu investieren. Denn Schäden zu verhindern ist erfreulicher und auf Dauer gesehen auch günstiger, als immer wieder Schäden zu beseitigen. Ähnlich den Menschen an der Nordsee, die seit Jahrhunderten Deiche und Dämme bauen, um Land zu schaffen und zu sichern, können auch wir es möglich machen, den Wasserhaushalt positiv zu beeinflussen. Uns muss nur die Dringlichkeit bewusst sein.

Geldmangel kann man bei der Bank oder durch Einsparungen beheben. Wassermangel stellt das Leben in Frage und gefährdet unseren Wohlstand.

Der Biber ist unser größter unentgeltlicher Helfer, wenn es um Wasserrückhalt, Wasserfilterung und –versickerung geht. Er ist der größte unentgeltliche Helfer, wenn es um die Schaffung von Lebensraum vieler, vieler verschiedener Lebewesen und Lebensgemeinschaften geht. Wo der Biber staut, erhöhen sich die Mikroorganismenarten um 40%, was Filterung des Wassers und Futter in der Nahrungspyramide bedeutet. Das einzige, was er braucht, ist Platz und Akzeptanz. Ich hoffe wir Bebraner können unserem Wappentier diese beiden Zutaten entgegenbringen,  gegebenenfalls durch Landtausch oder Entschädigung. 

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.