8. Mai 2025

Critical Mass – gemeinsam für die Verkehrswende!

Critical Mass (engl. für „kritische Masse“) ist eine weltweite Bewegung, bei der sich Radfahrende scheinbar spontan treffen, um gemeinsam und unhierarchisch durch Städte zu fahren. Es gibt keine zentrale Organisation – nur Ort, Zeit und den Wunsch, gemeinsam sichtbar zu sein.

In Deutschland erlaubt § 27 der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass mehr als 15 Radfahrende einen geschlossenen Verband bilden, der wie ein einzelnes Fahrzeug behandelt wird. Das bedeutet: Der Verband darf geschlossen über eine grüne Ampel fahren, auch wenn sie währenddessen auf Rot umspringt. Innerhalb des Verbands darf zu zweit nebeneinander gefahren werden.
Und wichtig: Für Teile eines geschlossenen Verbandes gilt die Radwegbenutzungspflicht nach § 2 Abs. 4 StVO nicht – man darf also auch dann auf der Fahrbahn fahren, wenn ein Radweg vorhanden ist.

Und was will man mit einer kritischen Masse hervorrufen? – eine kritische Reaktion! Die sich kritisch mit der Frage auseinandersetzt: Wie wollen wir eigentlich mobil sein?

Critical Mass will ein Zeichen setzen, für eine dringend nötige Verkehrswende.
Denn wenn mehr Menschen Rad fahren, profitieren alle in der Stadt:

  • Weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Gesundheit
  • Sichere, emissionsfreie Mobilität im Nahbereich
  • Platz für Grünflächen, statt für parkende Autos
  • Kürzere Wege, weniger Ampelstopps, mehr Lebensqualität

Moderne E-Bike-Lösungen für fast jeden Zweck: vom Kindertransport bis zum Lieferverkehr machen heute fast jede Alltagsfahrt in der Stadt möglich – schnell, effizient und mit einem Bruchteil des Energieverbrauchs selbst eines E-Autos.

Doch unsere Städte hinken hinterher. Die Infrastrukturplanung folgt den Bedürfnissen der Autos – nicht der Menschen. Wege sollen zusammenführen. Doch die Ausgestaltung unserer Verkehrswege trennt uns. Breite Fahrbahnen, lange Ampelphasen und Umwege durch Unterführungen müssen wir für den motorisierten Verkehr in Kauf nehmen.

Gleichzeitig werden Autos immer größer und beanspruchen folglich mehr Platz im öffentlichen Raum – und machen ihn für andere gefährlicher. Ein regelrechtes „Wettrüsten auf Rädern“ hat begonnen: Wer schwächer ist, verliert. Die tatsächliche Fahrzeugbreite wird oft unterschätzt – man fährt nur ein Handelsübliches Auto. Sicher trägt auch das dazu bei, dass der vorgeschriebene Überholabstand von 1,5 m häufig missachtet wird. Dieses Eindringen in den persönlichen Schutzraum hält viele davon ab, überhaupt aufs Fahrrad zu steigen. Radfahren fühlt sich für viele oft nicht sicher an – und steigenden Unfallzahlen geben ihnen Recht.

Doch die Verkehrswende bedeutet nicht nur mehr solidarische Sicherheit für alle, weniger CO₂, Lärm und Stress – sie bedeutet auch mehr Menschlichkeit. Raum fürs Miteinander. Denn Radfahren ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch sozialer. Man erkennt sich, grüßt sich, kann anhalten und kurz reden. Wer Rad fährt, nimmt seine Umgebung bewusster wahr – und begegnet anderen Menschen auf Augenhöhe. In einer Gesellschaft, in der sich viele Menschen einsam fühlen, können wir Raum für Begegnung schaffen und Städte zu den Orten machen, an denen man gut und gerne miteinander lebt.

Critical Mass steht für Städte, in denen sich alle auch ohne Auto sicher und selbstbestimmt bewegen können.

(PS: In Bad Hersfeld wollen sich Radfahrende an jedem letzten Freitag im Monat um 16:00 Uhr am Schildepark bei der HZ zur Critical Mass treffen. Fühl dich eingeladen.)