[Bad Hersfeld] Tempolimit: Freiheit oder Vernunft – ist das ein Gegensatz?
Die Freiheit ist eigentlich ein Vermögen, alle willkürlichen Handlungen den Beweggründen der Vernunft zu unterordnen. (Immanual Kant)
Ich suche also nach vernünftigen Gründen für ein Tempolimit:
Fangen wir mal mit der Physik an. Die Bewegungsenergie eines Körpers, die bei einem Unfall zur Verformung eines Autos freigesetzt werden kann, ist zum einen abhängig von der Masse (dem Gewicht) des bewegten Körpers. Ein 40 Tonnen schwerer LKW ist beim Aufprall (auch bei gleicher Geschwindigkeit) deutlich gefährlicher als ein Fahrrad.
Die Bewegungsenergie ist zweitens von Quadrat der Geschwindigkeit des Körpers abhängig. D.h. ein Körper, dessen Geschwindigkeit auf die Hälfte reduziert wird, hat nur noch ein Viertel seiner Bewegungsenergie. Dies wird ausgedrückt durch die Formel für die Bewegungsenergie E(kin)=1/2 m v2.+
Ist ein Fahrzeug eine Waffe? Durchaus, denn auch ein Fahrzeug – egal ob E-Roller oder LKW kann abhängig von Größe und Geschwindigkeit Leib und Leben anderer gefährden. Zurecht achtet der Gesetzgeber mit den Waffengesetzen recht streng darauf, dass das Gefährdungspotential gering gehalten wird. Mit der Einführung eines allgemeinem Tempolimits könnte die Gefahr, die von einem Fahrzeug ausgeht, deutlich reduziert werden.
Wir sehen also: Allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzungen sind nicht nur vernünftig , sondern dringend notwendig . Nicht nur auf Autobahnen (Tempo 100 km/h) und Landstraßen (Tempo 80 km/h) sondern auch Tempo 30 km/h in bebauten Gebieten. 30 km/h ist eine relativ hohe Geschwindigkeit für bewohnte Gebiete. Viele Wohngebiete werden heute so geplant, dass der Durchgangsverkehr gar nicht mehr hinein gelangt. Falls doch, werden Tempo 20 km/h-Zonen oder Spielstraßen mit Schrittgeschwindigkeit eingerichtet. Für die Anwohner des Hersfelder Durchgangsstraßen wäre Tempo 30 km/h schon eine gute Perspektive.
Nun wissen wir alle, dass beim Schreiben von Gesetzen nicht nur die Vernunft eine Rolle spielt. Vielmehr sind sie das Produkt von politischen Entscheidungen . Für mich ist es kaum erträglich, dass eine Regierung unter Beteiligung der Grünen nicht umgehend ein Tempolimit eingeführt hat. Trotzdem ist auch dies das kein Grund einfach über die Ampel zu schimpfen. Vernunftgründe und naturwissenschaftliche Fakten werden auch hier (das ist zumindest meine Hoffnung) in absehbarer Zeit Eingang in das Gesetzgebungsverfahren finden. In der Zwischenzeit liegt es an uns und unserem politischen Engagement immer wieder Vernunftgründe und naturwissenschaftliche Fakten in die Diskussion einzubringen und für Tempolimits zu werben.
Was können wir in der Zwischenzeit tun, bevor naturwissenschaftliche Fakten und Vernunftgründe zu ihrem Recht kommen? Das, was wir immer tun: mit Leuten reden, mit Nachbarn, mit Anwohnern, mit potentiellen Grünenwählern und sie auf das Problem aufmerksam machen. Wir können einfach ganz cool und entspannt schon mal anfangen, höchstens 30 km /h in der Stadt, 80 km /h auf der Landstraße und 100 km/h (bzw. 120km/h) auf der Autobahn zu fahren. Einen Aufkleber ans Auto oder Fahrrad machen und uns dann auch daran halten.
Und natürlich lassen wir andere Aspekte der Mobilitätswende nicht außer acht. Wir werden der FDP widersprechen, wenn sie heute die Fußgängerzonen abschaffen will und die PKWs wieder vor der Ladentür stehen sollen. Und natürlich wollen wir eine Fahrradinfrastruktur, die diesen Namen verdient und die wesentlichen Punkte einer Stadt mit Radfahrstrecken verbindet, die ein zügiges und komfortables Fahren mit dem Fahrrad ermöglichen, so dass es dann auch viele Menschen tun. Und vieles mehr…
Thomas Bös für den OV Bad Hersfeld

